Dschabaliya

Gazastreifen - Dschabaliya

Blick nach Norden vom Al Mashtal Hotel; die Al-Khaldi-Moschee ist westlich der Ahmed-Oraby-Straße und nahe der Küste zu sehen. Sowohl die Moschee als auch das Hotel wurden im Gaza-Krieg 2023 – 2025 schwer beschädigt - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Mounir.Kleibo - Lizenz: s.u.





Einige der hier auf dieser Seite gezeigten Fotos sind vor dem 7. Oktober 2023 entstanden- sie zeugen noch vom weitgehend „normalen Leben“ im Gazastreifen. Sie dokumentieren den Bestand an Wohnhäusern, Geschäftshäusern, Krankenhäusern, Straßen, Feldern, Häfen, Grünflächen und Parks vor dem Ausmaß der Zerstörung durch die israelischen Streitkräfte.


Überblick

Gazastreifen - Dschabaliya

Dschabaliya und das Gouvernement Nordgaza, die Stadt befindet sich im Norden des Gazastreifens - Foto: Wikimedia Commons - Autor: OCHA OpT (gemeinfrei)



Dschabaliya (englisch: Jabalia), ist eine palästinensische Stadt im Gouvernement Nordgaza. Sie liegt im Nordosten des Gazastreifens zu Israel, etwa 4 Kilometer nördlich von Gaza-Stadt. Drei Kilometer nördlich der Stadt befindet sich das gleichnamige Flüchtlingslager Dschabaliya. Die nahe gelegene Stadt Nazla ist Teil der Gemeinde Dschabaliya. Dschabaliya hatte 2017 laut dem Palästinensischen Zentralamt für Statistik 172.704 Einwohner. Bei der Volkszählung Palästinas im Jahr 1922, die von den britischen Mandatsbehörden durchgeführt wurde, hatte Dschabaliya eine Bevölkerung von 1.775 Einwohnern, alle Muslime, und stieg bei der Volkszählung 1931 auf 2.425, immer noch alle Muslime, in 631 Häusern.

Laut Statistik von 1945 hatte Dschabaliya eine Bevölkerung von 3.520, allesamt Muslime, mit 11.497 Dunam Land (11,5 Quadratkilometer). Davon entfielen 138 Dunam (13,8 Hektar) auf Zitrusfrüchte und Bananen, 1.009 Dunam (100,9 Hektar) auf Plantagen und bewässerbares Land, 1.036 Dunam (103,6 Hektar) auf Getreide und 101 Dunam (10,1 Hektar) auf bebautes Land. [1]





Geschichte Dschabaliya

Gazastreifen - Dschabaliya

Minarett einer Moschee in Dschabaliya - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Khaled abuwarda - Lizenz: s.u.


Dschabaliya war für seinen fruchtbaren Boden und seine Zitrusbäume bekannt. Der Mameluken-Gouverneur von Gaza, Sandschar al-Dschawli, regierte das Gebiet im frühen 14. Jahrhundert und schenkte der von ihm in Gaza errichteten al-Shamah-Moschee einen Teil des Landes Dschabaliya. Bis zum Jahr 2014 gab es in Dschabaliya auch die alte Omari-Moschee. Es wird angenommen, dass sich an diesem Ort seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. eine Moschee befand. Der Portikus und das Minarett stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die Omari Moschee wurde jedoch 2014 durch israelische Bombenangriffe zerstört. Der Portikus bestand aus drei Arkaden, die von vier Steinsäulen getragen wurden. Die Arkaden hatten Spitzbögen und der Portikus war von Vierungsgewölben bedeckt. [1]


Osmanische Zeit

Gazastreifen - Dschabaliya

Al-Khaldi Moschee in Dschalabiya - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Jaber Jehad Badwan - Lizenz: s.u.


Dschabaliya wurde 1517 mit ganz Palästina von den Osmanen erobert. Es erschien 1596 in den Steuerregistern als Teil der Nahiya von Gaza der Sandschak von Gaza. Es hatte eine Bevölkerung von 331 Haushalten, allesamt Muslime, die Steuern auf Weizen, Gerste, Weingärten und Obstbäume zahlten; insgesamt 37.640 Akçe. 2/3 der Einnahmen gingen an einen Waqf. Im Jahr 1838 erwähnte Edward Robinson Dschabaliya als muslimisches Dorf in der Umgebung von Gaza. 1863 fand der französische Entdecker Victor Guérin in der Moschee Fragmente alter Bauten und am Brunnen einige zerbrochene Säulen. Eine osmanische Dorfliste aus dem Jahr 1870 zählte 828 Einwohner in insgesamt 254 Häusern, wobei nur Männer gezählt wurden.

Im Survey of Western Palestine des Palestine Exploration Fund aus dem Jahr 1883 wurde Dschabaliya als großes Lehmziegeldorf mit Gärten und einem Brunnen im Nordwesten beschrieben. Es existierte eine Moschee namens Jamia Abu Berjas. [1]


Erster Weltkrieg und Britisches Mandat Palästina

Gazastreifen

....eine britische Artilleriebatterie vor Gaza, 1917 - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Tamara (gemeinfrei)


Dschabaliya, Gaza und Umgebung wurden während des Ersten Weltkriegs durch die Briten im Rahmen der Sinai- und Palästina-Kampagne besetzt. Die Schlachten von Gaza fanden zwischen Alliierten unter britischer Führung und osmanischen Truppen statt. Die Erste Schlacht von Gaza im März 1917 sah die Briten in dem Bestreben Gaza und Umgebung einzunehmen, jedoch scheiterten sie aufgrund von Kommunikationsproblemen und schlechter Truppenkoordination. Die osmanischen Truppen konnten ihre Verteidigung aufrechterhalten. Im Zuge der Zweiten Schlacht von Gaza im April 1917 unternahmen die Alliierten einen erneuten Angriff auf die Stadt. Obwohl es gelang, die osmanischen Verteidigungsstellungen zu durchbrechen, versäumten es die britischen Truppen aufgrund von Fehlern in der Nachverfolgung, die Stadt und die Umgebung vollständig einzunehmen.

Die Dritte Schlacht von Gaza im Oktober 1917 erfolgte unter dem Kommando von General Edmund Allenby. Der Angriff führte schließlich dazu, dass die Briten Gaza und Umgebung am 7. November 1917 einnahmen. Dieser Erfolg war entscheidend für den Verlauf der Sinai- und Palästina-Kampagne während des Krieges und legte den Grundstein für die weiteren Entwicklungen in der Region. [1]


Erste Intifada bis Palästinensische Verwaltung

Gazastreifen - Dschabaliya

Dschabaliya nach dem Gaza-Krieg 2009 - Foto: Wikimedia Commons - Autor: ISM Palestine - Lizenz: s.u.


Die Stadt wurde im Sechstagekrieg 1967 von Israel besetzt. Seit 1994 untersteht der Ort der Selbstverwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde, 2005 endete die militärische Besetzung durch Israel. In den ersten Monaten der Ersten Intifada am 27. März 1989 wurde der 50-jährige Fares S'aid Falcha von israelischen Soldaten geschlagen. Er starb drei Wochen später im Makassed-Krankenhaus. Die Ermittler der Militärpolizei erstellten einen Bericht und übermittelten die Einzelheiten an den Generalstaatsanwalt. Ende 2006 war Dschabaliya Schauplatz von Massenprotesten gegen israelische Luftangriffe auf die Häuser von Einwohnern. Die Nachbarschaft reagierte, indem sie Häußer besetzen und damit den Abriss durch Luftangriffe erfolgreich aufhielten. [1]


Luftangriffe im Gazakrieg 2023

Gazastreifen - Dschabaliya

Zerstörung durch israelische Bombenangriffe auf das Flüchtlingslager Jabalia im Gazastreifen - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Hussein Jaber – UNRWA - Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten - Lizenz: s.u.


Das Flüchtlingslager Dschabaliya, das während des Israel-Gaza Krieges 2023 seit dem 9. Oktober Ziel mehrerer israelischer Luftangriffe war, wurde am 31. Oktober erneut angegriffen. Bei dem israelischen Luftangriff wurden mindestens 50 Palästinenser getötet und mehr als hundert unter den Trümmern eingeschlossen. Nach Angaben des indonesischen Krankenhauses in Beit Lahiya handelte es sich bei den meisten Opfern um Frauen und Kinder. Das Innenministerium gab an, das Lager sei „vollständig zerstört“ worden, mit vorläufigen Schätzungen von etwa 400 Verwundeten oder Toten. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und des Ausmaßes der Zerstörung, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Kriegsverbrechen. [1]


Flüchtlingslager Dschabaliya

Gazastreifen - Dschabaliya

Zerstörung durch israelische Bombenangriffe auf das Flüchtlingslager Dschabaliya im Gazastreifen - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Hussein Jaber – UNRWA - Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten - Lizenz: s.u.


Nach dem Palästinakrieg (1948) errichtete das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) für etwa 35.000 Menschen das 1,4 Quadratkilometer große Lager für palästinensische Flüchtlinge. Die meisten davon waren während der Nakba aus Dörfern im Süden Palästinas geflohen. Im Jahr 2023 waren in dem Flüchtlingslager, das seit damals zu einer Stadt ausgebaut wurde, 116.011 Menschen registriert. Es ist das größte der insgesamt 8 Flüchtlingslager im Gazastreifen.

Im Dezember 1987 nahm die Erste Intifada hier ihren Ausgang, nachdem ein israelischer Fahrer mit einem Zivilauto im Flüchtlingslager kollidierte und dabei vier palästinensische Arbeiter tötete.

Das Flüchtlingslager Dschabaliya wurde während des Gazakrieges 2023/25 Ziel mehrerer kontroverser israelischer Luftangriffe. Besonders der Luftangriff vom 9. Oktober auf den Markt der Stadt und der Luftangriffe auf die UNRWA Al-Fakhoura-Schule am 4. November 2023 und 18. November 2023 wurden von unterschiedlichen Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch als Kriegsverbrechen bezeichnet. [1]



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Ansicht der Al-Khaldi Moschee in Dschalabiya - eingebunden über Wikimedia Commons


Infrastruktur


Dschabaliya lag von 1916 bis zur Stilllegung des betreffenden Abschnitts in den 1970er oder 1980er Jahren an der Sinai-Bahn von Beirut über Lod nach Kairo (bis 1967). Heute sind die Gleise der Eisenbahn im Gazastreifen größtenteils abgebaut. Dschabaliya unterhält seit dem Jahr 2012 eine Städtepartnerschaft mit der türkischen Stadt Ümraniye. [1]


Archäologie

Gazastreifen

Ensemble aus 30 byzantinischen Lampen - gefunden in Gaza - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Caroline Léna Becker - Lizenz: s.u.


In der Nähe von Dschabaliya wurde ein großer Friedhof aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. gefunden. Die handwerkliche Arbeit weist darauf hin, dass die christliche Gemeinschaft in Gaza in der frühen islamischen Ära der Herrschaft in Palästina noch sehr gut existierte und zu künstlerischen Leistungen fähig war. Die von dem Ikonoklasmus verschonten Überreste zeigen Darstellungen von Wild, Vögeln und ländlichen Szenen. Die späte Datierung des Mosaikpflasters beweist, dass das Eingreifen der Bilderstürmer nach 750 später erfolgte als bisher angenommen und mit abbasidischen Konservativen in Verbindung gebracht wird.

Bei Arbeiten an der Salah-al-Din-Straße entdeckten Arbeiter ein Kloster aus byzantinischer Zeit. Die Stätte wurde von der palästinensischen Antikenbehörde ausgegraben. Jetzt sind die atemberaubenden byzantinischen Mosaike des Klosters mit Sand bedeckt, um sie vor Erosion durch den direkten Einfluss des Winterregens zu schützen. Es wurde auch byzantinische Keramik gefunden.

Im Jahr 2022 wurde die von der französischen Organisation Premiere Urgence Internationale und dem British Council durchgeführte Restaurierung einer byzantinischen Kirche aus dem 5. Jahrhundert abgeschlossen. Die Kirche ist mit Mosaiken und religiösen Texten in griechischer Sprache geschmückt. [1]


Gaza (Stadt) Teil I.

Gazastreifen - Gaza (Stadt)

Straße in Gaza - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Manar al Zraiy - Lizenz: s.u.


Gaza, auch Gasa genannt, im Gouvernement Gaza ist die größte Stadt im Gazastreifen, der seit 1994 de jure unter Verwaltung des Staates Palästina bzw. der Palästinensischen Autonomiebehörde steht; die Stadt stand de facto von Juni 2007 bis Anfang 2024 unter der Verwaltung der Terrororganisation Hamas. In Gaza befanden sich der Verwaltungssitz der Autonomiebehörde und ein Seehafen am Mittelmeer. Die Bevölkerungszahl wurde 2017 mit 590.481 angegeben.....

Weitere Informationen zur Geschichte von Gaza (Stadt) Teil I. im Gazastreifen finden Sie hier....!


Gaza (Stadt) Teil II.

Gazastreifen - Gaza (Stadt)

Blick auf Teile des Hafens von Gaza im Jahr 2007 - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Marcin Monko - Lizenz: s.u.


Gaza-Stadt
ist mit 590.481 Einwohnern (Stand 2017) die größte Stadt des Staates Palästina. Die Stadt weist eine der höchsten Gesamtwachstumsraten der Welt auf. In der Agglomeration Gazastreifen leben nach letztem Zensus mehr als 2 Millionen Menschen; damit beträgt die Bevölkerungsdichte 9.982,69/Quadratkilometer und ist vergleichbar mit der von New York City (USA). Die Demografie von Gaza-Stadt verzeichnete im Verlauf der Geschichte markante Entwicklungen, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst wurden.....

Weitere Informationen zur Geschichte von Gaza (Stadt) im Gazastreifen finden Sie hier....!


Gazastreifen

Gazastreifen - Gaza (Stadt)

Gaza-Stadt, Palästinensische Gebiete - Foto: Wikimedia Commons - Autor: Grauesel (gemeinfrei)


Der Gazastreifen ist ein Küstengebiet am östlichen Mittelmeer zwischen Israel und Ägypten mit Gaza-Stadt als Zentrum. Der Gazastreifen hat circa 2,1 Millionen Einwohner. Das Land in diesem Gebiet ist uraltes Kulturland ähnlich der Umgebung um Aschdod und Aschkelon. Die wichtige antike Verkehrsader Via Maris zwischen Ägypten und Damaskus führte u.a. durch dieses Gebiet und die Stadt Gaza gehörte zum Volk der Philister. Heute ist der Gazastreifen ein Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete und steht im Inneren formal unter Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde....

Weitere Informationen zur Geschichte des Gazastreifen finden Sie hier....!


Quellennachweis:


1.: Die Informationen zur Geschichte der Stadt Dschabalya im Gazastreifens basieren auf dem Artikel Dschabalya (Stand vom 12.08.2025) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [34 KB] für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Die Fotos aus der Wikimedia Commons "Eyecatcher: Al-Khalidi-Moschee, Jabalia, Staat Palästina - Heinrich Böll Foundation Palestine & Jordan" - "Blick auf Teile des Hafens von Gaza im Jahr 2007 - Autor: Marcin Monko" - "Dschabalya nach dem Gaza-Krieg 2009 - Autor: ISM Palestine" - "Zerstörung durch israelische Bombenangriffe auf das Flüchtlingslager Dschabaliya im Gazastreifen; (2 Fotos) - Autor: Hussein Jaber – UNRWA - Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten" - "Straße in Gaza - Autor: Manar al Zraiy" - "Minarett einer Moschee in Dschabaliya - Autor: Khaled abuwarda" sind unter der Lizenz Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported verfügbar.

Die Fotos aus der Wikimedia Commons "Blick nach Norden vom Al Mashtal Hotel auf die Al-Khaldi-Moschee - Autor: Mounir.Kleibo" - "Al-Khaldi Moschee in Dschalabiya - Autor: Jaber Jehad Badwan" - "Ensemble aus 30 byzantinischen Lampen - gefunden in Gaza - Autor: Caroline Léna Becker" stehen unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0) Lizenz.










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